Wilfried Güntner berichtet dem LC Haßberge über seine Unterrichtstätigkeit in Tansania

„Meine neue Schule in den Kaffeebergen von Tansania“, so eröffnete Wilfried Güntner seinen Vortrag beim Lions Club und dabei war ihm die Freude daran anzumerken, was er sich als neue Herausforderung im Ruhestand gestellt hat. Güntner war Lehrer für Englisch, Geschichte und Sozialkunde am Regiomontanus-Gymnasium in Haßfurt. Jetzt ist er in Pension und weiterhin Englischlehrer, aber an der St. Luise Girls Secondary School in Manguu in Tansania.

Als Güntner mit 65 Jahren in Pension ging, suchte er eine neue Herausforderung, zumal seine Frau als Grundschullehrerin noch voll im Berufsleben steht. Gefunden hat der Schonunger eine Aufgabe in Mbinga, der Partnerdiözese des Bistums Würzburg. Hier unterrichtete er im letzten Jahr an einer Schule der Vinzentinerinnen – und hat um ein halbes Jahr verlängert, am nächsten Dienstag steigt er wieder ins Flugzeug.
Den Mitgliedern des Lions Clubs erläuterte er zunächst den durchorganisierten Tagesablauf der Schülerinnen. Neun Stunden Unterricht und viele Studierstunden bis in den späten Abend hinein stehen auf den Plan. Dieser Zeitaufwand ist unter anderem deshalb nötig, weil es an Büchern mangelt, so Güntner, der das „Projekt Bücherei“ ins Leben gerufen hat. Als er im Dezember abreiste standen bereits die Grundmauern, finanziert von Spenden aus Schonungen. Doch das Gebäude allein wird rund 60 000 Euro kosten. Die Außenmauern sind ebenfalls finanziert, doch das Dach wird sehr teuer werden, so Güntner.
Vier Klassen hat die Secondary School, derzeit wird ein Gebäude für die höheren Klassen gebaut, die dann das Abitur ablegen. Doch schon der Besuch der unteren Klassen dieser Schule ist etwas Besonderes in Tansania – zumal für Mädchen. An den staatlichen Schulen mangelt es vor allem an qualifizierten Lehrern, so Güntner, obwohl das American Peace Corps 140 Lehrer vor allem an staatlichen Schulen Tansanias stellt. Das Schulgeld in St. Luise beläuft sich auf 400 Euro im Jahr – ein Betrag, den die meisten Tansanischen Familien nicht aufbringen können. Dennoch bewerben sich auf die 40 freien Plätze jährlich 400 Mädchen. Ein Teil kommt aus wohlhabenderen Familien, für andere legt die gesamte Großfamilie zusammen, oft hilft auch der Pfarrer – oder im Bistum Würzburg wird (bisher immer mit Erfolg) ein Pate oder eine Patin gesucht.
46 Schülerinnen zwischen zwölf und 14 Jahren sitzen in Güntners Klasse und sie sind mit Feuereifer bei der Sache. Zum Stundenplan gehören neben den üblichen Gymnasialfächern auch Hauswirtschaft, Feldbau und Nähen, denn die Schülerinnen müssen auch für die Verpflegung an der Schule mitsorgen. Die meisten gehen nach der Mittleren Reife in die Familien zurück und nehmen die traditionelle Rolle als Mutter ein. Doch Güntner und auch die Zuhörer in Königsberg sind sich sicher, dass sie durch ihre Schulbildung in der Erziehung ihrer Kinder und im Umgang mit anderen Frauen eine wichtige Entwicklung hin zu einer besseren Stellung der Frau in Tansania fördern. Auch die Regierung sei bemüht um die Frauen, bestätigte Güntner, der Tansania als das wohl stabilste Land in Afrika bezeichnete. Im Parlament werden 20 Prozent der Plätze für Frauen reserviert, die werden jedoch nicht gewählt, sondern berufen.
In zahlreichen Bildern gab er einen Einblick in eine völlig andere Welt, in der die Durchschnittsfamilie sechs bis acht Kinder hat, die Frauen dennoch schwer arbeiten und Männer oft auch mit körperlicher Gewalt ihren Führungsanspruch in der Großfamilie durchsetzen. So arbeitet die Schule derzeit an ihrer Stromversorgung, damit künftig auch Computer im Unterricht eingesetzt werden können und die Schülerinnen Anschluss an die moderne Welt bekommen.
Lions-Präsident Harald Riegel dankte seinem ehemaligen Kollegen für diesen interessanten Vortrag – und für sein bewundernswertes Engagement in Afrika. Im Namen der Lions im Landkreis Haßberge überreichte er auch einen kleinen finanziellen Beitrag zur Bücherei in Maguu.

 

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