Lions Club Haßberge unterstützt René Nüsslein beim Freiwilligendienst auf den Philippinen

Der Lions Club Haßberge unterstützt René Hußlein aus Haßfurt, der von September 2011 bis Juli 2012 einen Frewilligendienst mit „weltwärts“, dem Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung auf den Philippinen absolviert. Dort ist René Nußlein bei einem Projekt des Salvatorianer-Ordens in den Slums in Manila im Einsatz.

Im folgenden ist ein interessanter Bericht über seine Eindrücke und seine Tätigkeit nachzulesen.

Mein Name ist René Nüßlein, ich bin 20 Jahre alt und wohne, normalerweise in Haßfurt. Vor genau einem Jahr war ich an einem Kinder-neuentscheidenden Punkt meines Lebens angekommen: Was mache ich nach dem Abitur? Für mich war klar, nach 13 Jahren Schulbankdrücken, wollte ich etwas anders erleben, etwas, von der Welt sehen. Zudem fand ich den Gedanken, anderen Menschen zu helfen ziemlich reizvoll, sodass ich mich entschieden habe, neue Erfahrungen in Form eines freiwilligen sozialen Jahres zu sammeln. Vor genau einem Jahr, habe ich, zwischen Facharbeit und Weihnachtsstress, viele verschiedene Bewerbungen herausgeschickt. Letztendlich bin ich hier in einer Einsatzstelle des Salvatorianer-Ordens in Manila gelandet, der Hauptstadt der Philippinen, in der ich jetzt lebe und arbeite.

Zu Beginn wurde wir erst einmal von neuen Eindrücken regelrecht erdrückt und auch der Kulturschock hat mich hart getroffen. Zu den größten Umstellungen gehörten sicherlich das Klima, das Essen und das Leben in einer 20 Millionen-Metropole. Und Manila ist keineswegs mit einer europäischen Großstadt zu vergleichen, die meisten Viertel sind dreckig und heruntergekommen, die Straßen sind überall verstopft und die Luft ist hochschwanger von den giftigen Abgasen der Autos. Neben Autos, Lastwagen und Motorrädern, sind es vor allem die Jeepneys und Tricycles, die die Autolandschaft der verstopften Straßen prägen. Jeepneys sind alte US-Army Militärfahrzeuge die den öffentlichen Busverkehr ersetzen und bei Tricycles handelt es sich um Motorräder mit Beiwagen, die als Taxis für Kurzstrecken im Einsatz sind.

Auch das Essen war für mich am Anfang eine ziemliche Umstellung. Das tägliche Brot ist hier der Reis, deutsches Brot dagegen sucht man vergebens. Nach vielem Ausprobieren, habe ich nun herausgefunden, was mir schmeckt und wovon ich lieber die Finger lassen sollte. An das für die Philippinen typische Balut, ein halb gebrühtes Entenei mit Embryo, das über kochendem Wasser gegart wird, habe ich mich allerdings bis jetzt noch nicht herangewagt. Dagegen habe ich mich schnell daran gewöhnt, dass man überall auf der Straße Kokosnusswasser kaufen kann. Jedes Mal eine wahre Erfrischung bei dem heißen Klima.

Nach eine recht kurzen Woche Eingewöhnungszeit an Land und Leute sollte es dann aber so langsam mit unserem Einsatz lsogehen. Das Projekt, in dem ich arbeite, heißt “Puso-sa-Puso” (von Herz zu Herz) und wird von den Salvatorianern, meiner Entsendeorganisation, betreut. Das ist eine katholische Ordensgemeinschaft, die überall auf der ganzen Welt verteilt und aktiv ist und eben auch auf den Philippinen eine Niederlassung besitzt. Puso-sa-Puso hat es sich zur Aufgabe gemacht, denjenigen Kindern kostenlos Bildung zu ermöglichen,  die sonst keine Möglichkeit haben, in die Schule zu gehen.

Während unsere philippinischen Mitarbeiter die 14- bis 20-jährigen Jugendlichen unterrichten, kümmere ich mich zusammen mit Korbinian, einem weiteren Freiwilligen aus Deutschland, um die drei- bis sechsjährigen Kinder. Wir sind sozusagen eine Art Vorschule und versuchen den Kindern auf spielerische Art und Weise die Zahlen, das Alphabet oder motorische Fähigkeiten beizubringen.

Slum

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Dazu müssen wir jeden Tag in einen Slum namens Parola, in der Nähe des Pier, fahren. Das Besondere an unserem Projekt ist nämlich, dass wir nicht in einer Schule, sondern “unsere” Kids direkt zuhause in den kleinen Häuschen unterrichten. Jeder von uns hat jeweils 20 Kinder betreuen, die wir in 7 Gruppen aufgeteilt haben. Und jeden Tag besuchen wir vier Gruppen. Ausgerüstet mit Arbeitsblättern, Ausmalblättern, Knete, Bleistiften, Blöcken, Buntstiften und Jonglierbällen geht jeder von uns in seine Gruppe und hält den “Unterricht”. Allerdings kommt meistens alles anders als man sich die Stunde vorgestellt hat, deshalb ist neben den Utensilien vor allem Spontaneität und Geduld bei den Kindern gefragt. Am Anfang war es echt schwer in die Arbeit hinein zu kommen, vor allem weil der Slum einen wirklich schockierenden Eindruck auf mich machte, allerdings gewöhnt man sich mit der Zeit daran und lernt mit der Situation vor Ort umzugehen.

Die größte Schwierigkeit war neben unserer Arbeit die philippinische Sprache Tagalog zu lernen, denn auch wenn Englisch die zweite Amtssprache hier ist, so reden die meisten Menschen im Slum nur Tagalog. Wir haben also dreimal die Woche eine Sprachkurs besucht, und langsam hat es dann immer besser geklappt. Inzwischen komme ich mit den Kindern ganz gut klar und kann sogar mit den Erwachsenen kleine Small-Talks führen.

Auch wenn die Lebensstandard in den Slums sehr niedrig sind, so habe ich doch die meisten Menschen als ziemlich fröhlich, nett und freundlich kennengelernt. Vor allem die Arbeit mit den Kindern macht mir total Spaß, sie sind einfach so unglaublich goldig. Natürlich sind manche Kinder auch manchmal nervig und anstrengend, aber insgesamt überwiegen eindeutig die positiven Erlebnisse. Ich habe gelernt wie schön ein Kinderlächeln sein kann. Auch wenn ich manchmal recht komische Dinge dort erlebt habe, z.B. dass mich ein betrunkener Onkel voller Dankbarkeit abküssen wollte, so bin ich bisher weder ausgeraubt noch bedroht worden oder habe irgendetwas in dieser Richtung erleben müssen.

Der Sinn unserer Arbeit besteht hauptsächlich, die Kinder auf die Schule vorzubereiten. Die Grundschule ist zwar für jeden zugänglich, allerdings müssen Schulbus und das Geld für die Schuluniform selbst aufgebracht werden. Da viele Kinder sozusagen ein Leben im “Chaos” gewohnt sind, fehlt Ihnen oft die nötige Ordnung und Disziplin, die Schule zu meistern. Durch unsere Arbeit soll ihnen neben dem konkreten Wissen, auch vermittelt werden, sich zu konzentrieren und Aufgaben zu mesitern. Zudem ist es wirklich erstaunlich, wie schnell diese Kinder Vertrauen zu mir aufgebaut haben und sich jedes Mal schon von Weitem freuen, wenn ich die Straße zu Ihnen entlang laufe. Man merkt, dass manche Kinder von zu Hause her sehr vernachlässigt werden, wobei dass definitiv nicht auf alle Familien zutrifft.

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Insgesamt macht es mich sehr glücklich, die Kinder glücklich zu machen.

Ein weiteres großes Event unserer Organisation findet jedes Jahr Anfang Dezember statt: Es wird eine riesige Christmas-Party für über 1000 Slumkinder veranstaltet. Es werden Getränke verpackt, Essen gekocht und alles für diese Christmas-Party hergerichtet, Und wir haben natürlich fleißig mitgeholfen. Da ein so großes Weihnachtsfest nicht so ohne weiteres realisierbar ist, bekamen wir tatkräftige Unterstützung von mehreren hundert freiwilligen philippinischen Helfern. Jeder dieser Helfer war an diesem Tag verantwortlich für 5 Kinder, indem er Ihnen ein Essen und zu Trinken gegeben und den ganzen Tag über auf sie aufgepasst hat.

Eröffnet wurde das Programm mit einem Tagaloggebet, vorgetragen von Korbinian und mir. Schon Tage davor haben wir uns auf diesen Moment vorbereitet, haben das Gebet selber geschrieben, übersetzt und letztendlich auswendig auf der Bühne vorgetragen. Es war wirklich ein unglaubliches Gefühl und ein einzigartiger Moment vor 1500 Leuten zu stehen, alle mucksmäuschenstill, und in einer fremden Sprache zu reden. Trotz einiger kleiner Aussetzer, bekamen wir am Schluss einen rieisgen Applaus. Ich denke die Kinder und die vielen Helfer haben bemerkt, dass es wirklich nicht einfach für uns war und wir uns die größte Mühe gegeben haben.

Danach gab es ein umfangreiches und spannendes Programm für die Kinder, angefangen von einer Hundeshow, über einen Zauberer bis hin zu einem fantastischem Jongleur-Vorführung. Als Highlight des Tages bekam jedes Kind ein Geschenk überreicht. 1000 glückliche Kinder mit strahlenden Augen gingen wieder nach Hause und haben hoffentlich das diesjährige Weihnachten 2011 in guter Erinnerung behalten.

Auch wenn uns das Leben und das Arbeiten in Manila viel Freude bereitet, so ist es manchmal wirklich eine harte Kost, jeden Tag diese Armut und dieses Elend zu sehen. Umso dankbarer ist man dann, wenn sich einmal die Gelegenheit bietet, übers Wochenende einen Ausflug an einen schönen Strand – von denen die Philippinenn jede Menge zu bieten haben – zu machen. Ein unglaubliches Kontrastprogramm zwischen der hässlichen Großstadt und diesem Postkarten-Urlaubsidyll. Neben Baden und Relaxen am Strand hat man dort auch die Möglichkeit, von dort aus mit einem Motoroller die nähere Umgebung mit dem reizvollen bergigen Hinterland zu erkunden. Und anstatt – wie von Hause gewohnt – bin ich in diesem Dezember nicht zum Skilaufen, sondern an den Strand gefahren und habe dort das Surfen und das Wellenreiten ausprobiert.

StrandAm Strand

Die Philippinen sind ein wirklich sehr sehenswertes Land voller unglaublicher Gegensätze, ein Land das bei uns in Deutschland eher ein weißer Fleck auf der Landkarte ist und als Reiseziel oder Urlaubsland eher eine untergeodnete Rolle spielt. Was aber den besonderen Reiz dieses Landes ausmacht, sind die wunderschönen Landschaften und die unglaublich freundlichen Menschen.

René Nüßlein, im Dezember 2011

 

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