Treffen des Lions Clubs Haßberge mit dem Rotary Club Haßfurt

Lions und RotarierEbelsbach. „Unsere beiden Clubs haben dieselben Ziele, deshalb sollten wir eine solche gemeinsame Veranstaltung auch öfter mal wiederholen“, das betonte Dr. Helmut Hümmer und stieß mit seinem Berufskollegen Dr. Alexander Ambros an. Die beiden Zahnärzte sind derzeit die Präsidenten des Rotary-Clubs Haßfurt und des Lions-Clubs Haßberge. Die Mitglieder der beiden Service-Clubs trafen sich am Montag, um gemeinsam die Ebelsbacher Stollenanlage und natürlich auch die dort eingemietete Stollenanlage zu besichtigen. Das „Zahnärztejahr“ der Serviceclubs sei ein guter Anlass gewesen, sich mal gesellig zu treffen, meinte auch Alexander Ambros. In wenigen Wochen steht in beiden Clubs der Präsidentenwechsel an und auch die beiden künftigen Amtsinhaber Oliver Leuteritz bei den Rotariern und Sabine Weinbeer bei den Lions machten sich bei dem Treffen bekannt. Fasziniert zeigten sich die Teilnehmer von den Ausführungen durch Heimatforscher Walter Martin und Kellermeister Martin Fischer. Vor allem Clubmitgliedern, die nicht im Landkreis Haßberge aufgewachsen sind, war die Stollenanlage bisher gänzlich unbekannt. Andere wussten davon, waren aber noch nie vor Ort. Als unterirdische Betriebsstätte für die kriegswichtige Kugellager-Fertigung von Kugelfischer wurde die Anlage errichtet. Neun Stollen wurden 120 Meter tief in den Berg getrieben und neuere Erkenntnisse aus Unterlagen des Bergbauamtes und dem Archiv einer der beiden beteiligten Baufirmen bestätigen, dass es sich dabei erst um die erste Hälfte gehandelt hat. Geplant war eine zweite Stollenanlage mit Zugang von der Stettfelder Straße und einem Verbindungstunnel einschließlich Wende-Rondell mitten im Berg. Das Rondell muss es wohl schon gegeben haben, doch ist es heute verschüttet. „Es hat hier definitiv eine Sprengung gegeben, da sind sich mittlerweile die Experten einig“, erklärte er. Unter den Erdmassen liege sicher dieses Rondell. Immer wieder wird in Ebelsbach über das verschwundene Bernsteinzimmer spekuliert, aber „wahrscheinlich wurde da Kriegsmaterial entsorgt“, glaubt Martin. Die kriegswichtige Industrie wanderte während des Zweiten Weltkrieges quasi durch die Lande, da die Fabriken immer im Visier der Alliierten standen und bombardiert wurden. Das Kugelfischer-Werk Eltmann wurde ab 1942 gebaut, nahm im März 1944 die Produktion auf und war bereits im Juli 1944 Ziel der Bomber. Während am 21. Juli noch die Vernebelungstaktik aufging, wurde das Werk am 21. Juli weitgehend zerstört. Nach Aussage eines Bomberpiloten wurden 2.500 Bomben auf das Gelände zwischen Ebelsbach und Eltmann abgeworfen. Überall in Deutschland waren bereits industrielle Fertigungen unter Tage verlegt worden – in vorhandene Stollen oder Bergwerke, oder in neu gegrabene. Eine solche Anlage entstand ab August 1944 auch in Ebelsbach – und schon im Februar 1945 meldete das Bergbauamt, dass „die Anlage zur Hälfte fertiggestellt ist“. 350 bis 400 Arbeiter, zum größten Teil internierte Italiener, arbeiteten hier. Über den Probebetrieb einiger Maschinen hinaus kam es in den neun Stollen aber nie zur Produktion, da am 12. April 1945 die Amerikaner einrückten. Während Ebelsbach und das Kugelfischer-Werk übergeben wurden, war die Ebelsbacher Bevölkerung in den Stollen evakuiert. 1,5 Kilometer lang sind die neun Stollen insgesamt. In zwei dieser Stollen hat Martin Fischer seine Sektkellerei eingerichtet. Im Anschluss an den spannenden Rundgang durch alle Stollen gab er noch einen Einblick in die Sektherstellung, die viel Handarbeit und Zeit beansprucht. Sehr eindrucksvoll zeigte er, wie die Flaschengärung funktioniert – und anschließend genossen die Teilnehmer natürlich das Ergebnis der neun Monate dauernden Reife. In geselliger Runde klang die erste Zusammenkunft von Rotary und Lions harmonisch aus mit dem Vorsatz, das auch zu wiederholen. Bilder: 1: Martin Fischer führte die Rotarier und die Lions durch die Stollenanlage in Ebelsbach. Hier das Ende eines Stollens, der auch ein Blick auf das Keupergestein freigibt, in das er 2: Stießen auf eine gelungene gemeinsame Veranstaltung ihrer Clubs an: Lions-Präsident Dr. Alexander Ambros (links) und Rotary-Präsident Dr. Helmut Hümmer. 3: Einblicke in die Sektproduktion gewannen die Lions und die Rotarier in den Ebelsbacher Stollen. Hier sehr schön zu sehen die Hefe-Pfropfen, die sich während der Flaschengärung bilden.

 

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