LC Haßberge und P-Seminar des RMG helfen dem Sozialzentrum “Ionica“ in Rumänien

Das in der Region Maramures gelegene Dorf Botiza mit seinem Sozialzentrum „Ionica“, in dem über 50 Kinder aus ärmlichen und schwierigen sozialen Verhältnissen betreut werden, ist eines der Projekte der Rumänienhilfe des Lions Clubs Haßberge. Große Unterstützung erhielten die Lions vom P-Seminar „Schüler für Kinder“ vom Haßfurter Regiomontanus-Gymnasium. Die Schüler starteten einen Aufruf in allen Klassen und sammelten alle möglichen Schulmaterialien sowie Kinderschulranzen, Kuscheltiere und Spiele. All dies wurde zusammen mit der vom Lions Club Haßberge sowie vom Verein „Haßfurt hilft“ zur Verfügung gestellten Kleidung in zwei Kleintransporter geladen und auf die lange Reise (Präsentation) in den Nordwesten Rumäniens geschickt.

Im Folgenden ein persönlicher Bericht von Lionsfreund Harry Riegel, der gleichzeitig auch Lehrer am Haßfurter Regiomontanus-Gymnasium ist und den Transport nach Rumänien organisiert und durchgeführt hat:

In dem Dorf Botiza in Maramures im Nordwesten Rumäniens gibt es zwei allgemeinbildende klassische Volksschulen, die mit der 8. Klasse enden. Nicht wenige Kinder kommen aus sozial schwachen Familien, die zu Hause kaum Möglichkeiten haben, ihre Hausaufgaben ordentlich zu erledigen bzw. gefördert zu werden, wenn sie Defizite in der Schule aufweisen. Für diese Kinder wurde von der Gemeinde Botiza das Sozialzentrum “Ionica“ eingerichtet, in dem über 50 Kinder von der Sozialpädagogin Iulia Grosan betreut werden. Diese hat alle Hände voll zu tun, sich um die aus ärmlichen und zum Teil auch schwierigen sozialen Verhältnissen stammenden Kinder zu kümmern.

„Die materielle Not der Kinder ist kaum zu übersehen. Kleidung, Hefte, Schultaschen, Schreibartikel können sich diese Kinder bzw. deren Familien kaum leisten.“  Dies stellten wir bei unserem ersten Besuch in Botiza  vor einem Jahr fest. An Kinderkleidung hatten wir damals einiges in unserem vollgepackten Auto aus Deutschland mitgenommen. Aber das hatte längst nicht für alle gereicht. Und so mussten wir viele Kinder auf unseren nächsten Besuch vertrösten. Jetzt konnten wir unser Versprechen einlösen und dieses Mal mit zwei voll bepackten Kleintransportern die Reise nach Rumänien antreten.

Realisiert werden konnte dieser Transport vor allem durch die Schüler des P-Seminars  „Schüler für Kinder“ vom Haßfurter Regiomontanus-Gymnasium. Unter der Leitung der beiden Lehrkräfte Kim Davey und Alexandra Weber beschlossen die Schüler auf der Suche nach einem geeigneten Projekt das Sozialzentrum „Ionica“ in Botiza in Rumänien und den bevorstehenden Hilfstransport des Lions Clubs Haßberge zu unterstützen und den folgenden Aufruf an alle Klassen zu starten:

„Wir bitten Sie, einen kleinen Teil zu unserem Projekt beizutragen und uns bei der Zusammenstellung der Hilfspakete zu unterstützen. Wir benötigen für diese Hilfspakete alle möglichen Schulmaterialien, von Bleistiften, Buntstiften, Malkästen, Radiergummis, Kugelschreibern, Heften und Blöcken bis hin zu Kinderschulranzen bzw. Rucksäcken sowie Kuscheltieren und Spielen.“

Die Resonanz und Spendenbereitschaft der Schüler war überaus groß. In den einzelnen Klassen wurde fleißig gesammelt und es kamen jede Menge Materialien zusammen, die von den Schülern des P-Seminars sortiert und für den Transport nach Rumänien in Kisten und Plastiktüten verpackt  wurden. Vom Lions Club Haßberge und vom Verein „Haßfurt hilft“ kamen noch weitere Kisten mit gut erhaltener Kleidung und  weiteren Kuscheltieren hinzu.

Zusammen mit meiner Frau, Dr. Heike Mohler-Riegel, unserem Sohn Johannes und dessen Studienkollegen Florian machte ich mich auf die Reise in das über 1300 Kilometer entfernt gelegene Ziel.  In Botiza wurden wir von unseren Kontaktpersonen vor Ort, den beiden Familien Dolca und Orghici, herzlich in Empfang genommen. Auf uns wartete zunächst ein besonderes Ereignis, nämlich die Taufe von Alesia Maria, dem jüngsten Mitglied der Familie Dolca. Da meine Frau die Rolle als eine der drei Taufpatinnen übernehmen sollte, wurde sie kurzerhand in die für die Region Maramures typische, traditionelle Tracht „gesteckt“. Wir wurden zur orthodoxen Kirche geleitet und durften die Taufe von Alesia Maria miterleben, die  – wie es in der orthodoxen Kirche üblich ist – gleich dreimal mit dem ganzen Körper in das Taufbecken eingetaucht wurde.

In den nächsten Tagen waren wir dann vollauf damit beschäftigt, die beiden Transporter zu entladen, die Kisten zu öffnen und alles noch einmal zu sortieren. Sehr gespannt waren wir auf den Besuch des Sozialzentrums „Ionica“. Dort warteten die Kinder schon auf uns und begrüßten uns mit einer kleinen Aufführung. Für jedes Kind hatten wir eine Schultasche mit Schulutensilien, Spielen und Kuscheltieren gepackt, die mit glänzenden Augen in Empfang genommen wurde. Auch über die vielen Kleidungsstücke, die wir mitgebracht hatten, freuten sich die Kinder riesig. Beim Rundgang durch das Sozialzentrum konnten wir auch feststellen, dass alle Computer, die wir im letzten Jahr aus unserer Schule mitgebracht hatten, funktionierten und in Betrieb waren. Und zu unser großen Freude entdeckten wir auch die roten Schultische und Stühle, die an unserer Schule ausgemustert und mit Hilfe eines anderen Hilfstransports nach Botiza gebracht wurden.

Es waren sehr intensive Tage in Botiza. Wir kamen mit vielen Leuten ins Gespräch und natürlich auch mit der Bürgermeisterin Ioana Trifoi, die uns für die Unterstützung des Sozialzentrums „Ionica“ herzlich dankte. Meine Frau, die von Beruf Allgemeinärztin ist, machte zusammen mit den beiden Medizinstudenten Johannes und Florian auch einige Krankenbesuche. Sie trafen dort zum Teil auf unvorstellbare hygienische Verhältnisse und sie konnten die akute Not mit den mitgebrachten Hilfsmitteln nur einigermaßen lindern.

Mit gemischten Gefühlen und mit der Erkenntnis, dass es neben den bedürftigen Kindern im Sozialzentrum „Ionica“ noch andere „Baustellen“ in Botiza gibt, traten wir die lange Heimreise nach Deutschland an. Wir taten dies aber auch mit dem Bewusstsein, mit den Familien Orgici und Dolca nicht nur gute Freunde, sondern aufgrund der Patenschaft auch neue „Verwandte“ gefunden zu haben, die wir in Zukunft zumindest einmal im Jahr besuchen wollen. Schon aus diesem Grund wird unser Hilfstransport nach Botiza nicht der letzte gewesen sein.

Harry Riegel, Mitglied im Lions Club Haßberge und Lehrer am Regiomontanus-Gymnasium in Haßfurt

 

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