Katharina Schoen absolviert mit Unterstützung des Lions Haßberge ein FSJ in Mexiko

Viele Christen haben zu Weihnachten ihre Adveniat-Spende für Lateinamerika in die Kollekte gegeben, kennen Lateinamerika nur aus Dokumentationen im Fernsehen. Katharina Schoen, Haßfurter Abiturientin, lebt seit September in Mexiko, wo sie ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert. Finanziell unterstützt wird dieses „weltwärts“-Projekt vom Lions Club Haßberge, außerdem von den Haßfurter Firmen Unicor und W&M Schenk. Deshalb gehen beim Lions-Präsidenten Harald Riegel auch regelmäßig ausführliche Erlebnisberichte von Katharina Schoen ein, die zum Schmunzeln, manchmal auch zum Lachen, immer aber auch zum Nachdenken anregen.
Mitten in der Regenzeit kam Katharina im September an und absolvierte zunächst ihr Orientierungsseminar in Morelia, der Großstadt, in der sie gerne ihre Wochenenden verbringt. Hier hat die mexikanische Organisation der „Voluntarias“ ein Freiwilligen-Haus, das diese nutzen können. Das Dorf, in dem Katharina Englisch-Unterricht erteilt, liegt zwei Autostunden entfernt und heißt Ixtaro.

So war das Wetter anfangs nicht sehr einladend, sollte aber noch mehr Überraschungen für Katharina bereithalten, denn am Ende der Regenzeit schien zwar die Sonne, doch sie lernte schnell, sich im „Zwiebellook“ zu kleiden, denn nur Mittags wurde es sehr warm, am Morgen und Abend dagegen fielen die Temperaturen rasch stark ab.
Ihre „Schule“ schockierte die junge Deutsche zunächst, allerdings tat auch das Wetter das Seinige dazu. Da das ganze Dorf an einem Hang aus roter Tonerde liegt, ist es während der Regenzeit sehr matschig. Die Schule gruppiert sich um einen Basketballplatz und ist mehr als dürftig ausgestattet – „aber ist es doch halb so wild. Es herrschen einfach andere Bedingungen hier, das Geld fehlt, aber vor allem kennen sie es nicht anders und machen sich dementsprechend nichts daraus“, berichtet Katharina.
Sie lebt im Dorf in einer riesigen Familie, deren Mutter am Dorfplatz eine „tienda“, eine Art Kiosk, betreibt, an der auch die Lehrer der Schule ihr Mittagessen einnehmen. Katharina genießt das Familienleben, das den Mexikanern heilig ist – und bekam auch schon erste Einblicke beim Geburtstag ihres jüngsten „Gastbruders“ und neulich bei ihrer ersten mexikanischen Hochzeit, für die das halbe Dorf „tonnenweise Essen“ vorbereitete und bei der der Tequilla in Strömen floss – und die fast schon traditionell in einer Schlägerei endete. Katharina versucht sich auch in der Familie durch Mitarbeit im Haushalt einzubringen – und bessert damit den Ruf der Deutschen auf, denn die bisherigen „voluntarias“ haben das offenbar nicht getan. So weiß sie jetzt auch, wie mühsam Wäschewaschen sein kann „wie in den guten alten Zeiten auf dem Waschbrett . . . naja, fast, auf einer massiven Steinkonstruktion neben einem riesigen Wasserbecken per Hand, versteht sich“. Und auch „Huhn entkleiden“ beherrscht sie mittlerweile.
Pünktlichkeit spielt in Mexiko ebenfalls nicht die Rolle, wie es die Deutsche kennt. Nicht einmal der Gottesdienst beginnt unbedingt pünktlich. Füllt sich die Kirche nur zögerlich, dann läuten die Glocken eben später. Die Messe jedoch dauert zwei Stunden, „von der eine Stunde der Pfarrer mit seiner Predigt füllt. Und was für eine, lautstark wird über sämtliche Missstände in der Welt geflucht und die Jugend animiert, etwas daran zu ändern“.
Auch ein schlimmes Erlebnis schildert Katharina, den Anschlag am Unabhängigkeitstag in Morelia. Glücklicherweise hatte sie sich an diesem Wochenende für die Feier im Dorf entschieden.
Viel Arbeit hat Katharina in ihrer Schule, ihrer eigentlichen Aufgabe während ihres Freiwilligen-Jahres. Sie unterrichtet Englisch für unterschiedliche Altersgruppen, mittlerweile haben sich auch Gruppen außerhalb der Schule gemeldet. Die Kinder sind eifrig dabei, leider aber hauptsächlich mit dem Ziel, der Arbeit wegen nach Nordamerika zu gehen. Fast alle Väter des Dorfes und auch die großen Brüder leben „alla’“, dort in den USA, „obwohl es sicher besser wäre, sich hier im Land weiterzubilden und etwas auf die Beine zu stellen“, resümiert Katharina.
Wenn es ihre Zeit erlaubt, hilft die angehende Medizin-Studentin auch noch in der Dorfklinik aus – über Langeweile kann sie also nicht klagen. Sie berichtet aber auch von vielen Wochenendausflügen ins Schildkrötencamp, zu kulturellen und religiösen Festivals und von den Unwägbarkeiten des mexikanischen Alltags: „Allgemein sollte man seine Einstellung ändern, egal ob es darum geht, wo, wie und in was man schläft, ob man sich mal ein paar Tage nicht duschen kann oder eben mit kaltem Wasser, weil es mal wieder kein Gas gibt, oder ob man sein Handtuch mit jemandem teilen muss … ganz andere Dinge sind einfach wichtiger“.
Schon nach wenigen Wochen in dieser anderen Welt war Katharina klar: „dass die Rückkehr und das Wiedereinleben in Deutschland schwieriger sein werden als das Ankommen hier und das Einleben in Mexiko“.

Heitere Randnotizen aus Mexiko:

– Jeder, aber wirklich jeder zwischen fünf und 95 kann Pick-Up fahren.
– Wenn jemand sagt „nein, es ist nicht weit bis dorthin“, dann mach Dich auf einen langen Weg gefasst. Das Einschätzungsvermögen der Mexikaner scheint recht eingeschränkt zu sein.
– Hühnchen ist kein Fleisch in Mexiko. Wenn Du also sagst, dass Du kein Fleisch isst, dann kriegst Du halt Hühnerbrühe mit einem Hühnerschenkel serviert, was übrigens sehr selten und nur an festlichen Tagen geschmaust wird, da extra ein Huhn geschlachtet werden muss.
– Wenn sich etwas verdächtig Glibbriges auf Deinem Teller findet und eigentlich gar nicht so schlecht schmeckt, dann guten Appetit, es ist die Leibspeise vieler Mexikaner: Schweinehaut.

Quelle:   Haßfurter Tagblatt, 27.12.2008, von Sabine Weinbeer

 

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