Lionsfreund Harry Riegel informiert über das Projekt „Ionica“ in Botiza in Rumänien

Im Rahmen eines Clubabends berichtete Lionsmitglied Harry Riegel über seinen Besuch in Maramures im Norden Rumäniens. Dort unterstützt der Lions Club Haßberge in dem Ort Botiza das Sozialzentrum „Ionica“, in dem sozial benachteiligte und aus schwierigen familiären Verhältnissen stammende Kinder und Jugendliche von einer Pädagogin betreut und gefördert werden.

Mit der Bürgermeisterin Ioana Trifoi, der Sozialpädagogin Julia Grisan und der Projektleiterin Ioana Dolca (von links) wurde die Unterstützung der sozial benachteiligten Kinder vereinbart. Zusammen mit der Bürgermeisterin freuen sich diese über die mitgebrachten Geschenke, vor allem aber über die heiß ersehnten Computer. In Zukunft kann hier an vier PCs gleichzeitig gearbeitet werden.

Weitere Informationen über dieses Projekt sind in einer Präsentation, einem Fotoalbum sowie einem Bericht zu entnehmen:

Die „Rumänienhilfe“ des Lions Clubs Haßberge sowie das Kinderhaus „SAMMA“ in Sao Paulo in Brasilien – das waren die beiden Projekte, für die sich zahlreiche Schüler des Regiomontanus-Gymnasiums im Juli 2010 auf die Suche nach Sponsoren gemacht haben. Und es hat sich gelohnt. Insgesamt 20.000 € kamen bei diesem Sponsorenlauf zusammen, nachdem die Schüler jede Menge Kilometer zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auf Inline-Skatern zurückgelegt und die versprochenen Prämien bei ihren Sponsoren kassiert hatten.

Die eine Hälfte, also 10.000 €, wurden an Ludwig Rehm aus Wülflingen für das von ihm schon seit Jahren unterstützte Kinderhaus „SAMMA“ in Sao Paulo in Brasilien überreicht. Die andere Hälfte wurde der „Rumänienhilfe“ des Lions Club Haßberge zur Verfügung gestellt. Der Lions Club verteilte diesen Betrag wiederum auf zwei Projekte. Zum einen wird mit diesem Geld die Renovierung des „Blindenzentrums“ in der Stadt Craiova im Süden Rumäniens und zum anderen das „Sozialzentrum“ in dem kleinen Dorf Botiza im Norden Rumäniens unterstützt.

In den Pfingstferien machte sich OStR Harry Riegel, gleichzeitig Mitglied im Lions Club Haßberge, zusammen mit seiner Frau Dr. Heike Mohler-Riegel auf die die 1350 km lange Reise in den Norden Rumäniens, um das Projekt vor Ort persönlich in Augenschein zu nehmen und das Geld sowie weitere Hilfsgüter ihrer Bestimmung zu übergeben.

Botiza ist ein kleines Dorf mit 3000 Einwohnern, das – idyllisch in einem Tal eingebettet – in der Region Maramures im Norden Rumäniens nahe der Grenze zur Ukraine liegt. Aber der Schein trügt. Diese Gegend liegt aus der Sicht der rumänischen Zentralregierung hinter den „sieben Bergen“ und erfährt von dort kaum eine Unterstützung oder Förderung. Es gibt in dieser wunderschönen, mit sanften Hügeln durchzogenen Landschaft keinerlei Industriebetriebe, Fabriken oder sonstige Arbeitsmöglichkeiten. Baia Mare, die Hauptstadt des Maramures, ist nur über holprige Straßen und nach mehr als einer Stunde Fahrzeit zu erreichen. Zu bewundern ist die Eigeninitiative der Leute, die fast ausnahmslos Selbstversorger sind. Fast jeder besitzt ein oder mehrere Schweine, vielleicht eine Kuh, Hühner sowieso. Das wenige Geld das hier verdient wird – sofern man überhaupt eine feste Arbeit hat, zumeist schlägt man sich mit irgendwelchen Gelegenheitsarbeiten durch – reicht nicht dafür, um sich Essen zu kaufen. Geld wird dazu benötigt, um damit die Grundbedürfnisse wie Strom, Wasser, Waschmittel, Hygieneartikel und Heizung und – wenn dann noch etwas übrig bleibt – auch für Kleidung zu bestreiten. Mit einer Durchschnittsrente von umgerechnet ca. 30 € kann, verglichen mit der dortigen Kaufkraft – Lebensmittel in einem Supermarkt kosten nicht sehr viele weniger als bei uns und der Liter Benzin ist an der Tankstelle nur für mehr als einen EURO zu haben – kann keiner große Sprünge machen. Die Eigeninitiative der Menschen kommt auch in dem bescheidenen touristischen Aufschwung zum Ausdruck. In den letzten Jahren vermieten viele Leute – sofern es die Umstände zulassen – Privatzimmer an einheimische und auch ausländische Urlaubsgäste. So zählte man in den letzten Jahren in Botiza über 60 kleine Privatpensionen.

Viele alte Holzhäuser prägen das Straßenbild des von großen Wäldern umgegebenen Ortes. Sie verschwinden aber nach und nach aus dem Dorf. Zum einen wurden in den 70er und 80er Jahren der kommunistischen Herrschaft vereinzelt Steinhäuser errichtet. Zum anderen hat sich in Botiza seit dem Umsturz in den letzten Jahren eine bescheidene Bautätigkeit entwickelt. Es entstehen in viel Eigenarbeit und mit Nachbarschaftshilfe über mehrere Jahre Bauzeit hinweg schmucke Steinhäuser. Gebaut wird solange Geld da ist, und weitergebaut wird nur, wenn wieder etwas Geld zur Verfügung steht. Von den Banken, bekommen diese Bauherren, die in der Regel kein festes Einkommen haben, keine Kredite. Eine weitere interessante Einnahmequelle hat sich einem Teil der Bewohner in den letzten Jahren eröffnet. Sie gehen – wenn sie das Angebot erhalten – als Erntehelfer nach Deutschland und verdienen sich in zwei Monaten so viel Geld, dass ihnen dieses nicht nur reicht, um zu Hause für ein ganzes Jahr den Lebensunterhalt zu bestreiten, sondern auch noch dafür, um an dem schon vor Jahren begonnen Haus weiterzubauen.

In Botiza gibt es zwei allgemeinbildende Schulen, klassische Volksschulen, die mit der 8. Klasse enden. Danach schließt sich – sofern es sich die Familien leisten können und die Begabung der Kinder ausreicht – das vierjährige Gymnasium an, das in dem über eine Stunde entfernten Shigetu Marmatiei liegt. In Botiza gibt es so viele Schulkinder, dass an der Volksschule im Schichtbetreib unterrichtet werden muss, d. h. am Vor- und am Nachmittag.

An diesem Punkt setzt nun das Projekt „Sozialzentrums“ in Botiza an. Es gibt in Botiza nicht wenige Kinder, die aus sozial schwachen Familien kommen und zu Hause überhaupt keine Möglichkeiten haben ihre Hausaufgaben zu erledigen bzw. gefördert zu werden, wenn sie Defizite in der Schule aufweisen. Diesem wirkt das „Sozialzentrum“ entgegen. Von einer Sozialpädagogin werden dort – ebenfalls im Schichtbetrieb – insgesamt 50 Kinder betreut. Diese erhalten auch täglich eine warme Mahlzeit. Darüber haben die Kinder auch Möglichkeit, Ihre Kleider zu waschen. Der Begriff “Sozialzentrum“ klingt etwas hochtrabend. Es ist eigentlich eine aus mehreren Zimmern bestehende renovierungsbedürftige Wohnung, die von der Gemeinde kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Hier hat die Sozialpädagogin Julia Grosan alle Hände voll zu tun, um die aus ärmlichen und zum Teil auch schwierigen sozialen Verhältnissen kommenden Kinder zu betreuen. Dieses „Sozialzentrum“ wurde auf Anregung der verantwortlichen Lehrer der Volksschule von der Gemeinde Botiza ins Leben gerufen. Da die Gemeinde für ein solches Projekt selber kaum finanzielle Spielräume hat, ist sie dennoch bereit, die Hälfte der Personalkosten zu übernehmen, wenn eine finanzielle Unterstützung von dritter Seite hinzukommt. Dies war nun der Part, den wir vom Lions Club Haßberge bzw. wir vom Regiomontanus-Gymnasium Haßfurt mit Hilfe dieser finanziellen Zuwendung an diesem Projekt übernommen haben. Für das nächste in Schuljahr haben wir damit den Bestand dieses Projektes garantiert.

Darüber hinaus besteht natürlich weiterer Handlungsbedarf. Die materielle Not der Kinder ist kaum zu übersehen. Kleidung, Hefte, Schultaschen, Schreibartikel können sich diese Kinder bzw. deren Familien kaum leisten. An Kinderkleidung hatten wir einiges in unserem vollgepackten Auto mitgenommen. Aber das hat längst nicht für alle gereicht. Da mussten wir einige Kinder auf unseren nächsten Besuch vertrösten. Eine große Überraschung hatten wir trotzdem parat, etwas was die Kinder bzw. ihre Betreuerin Julia Grosan schon seit langem auf ihrem Wunschzettel hatten: einen Computer. Wie begannen die Augen der Kinder zu leuchten, als wir nicht nur deren einer, sondern insgesamt vier PCs inklusive Flachbildschirmen und Netzwerkdrucker aus unserem Auto holten. Besonders groß war die Freude bei Julia Grosan, da sie bei der Anzahl von vier Computern nicht befürchten muss, dass sich die Kinder andauernd streiten, um am Computer arbeiten zu können. Das war alles ein Verdienst der IT-Crew unserer Schule unter der Leitung von Herrn Thelenberg, die innerhalb kürzester Zeit diese PCs und die dazu erforderliche Hardware für die Reise nach Rumänien präparierten.

Es waren sehr intensive Tage, die wir in Botiza erlebt haben. Wir lernten alle wichtigen Persönlichkeiten des Ortes kennen. Neben dem Dorfpfarrer, der Apothekerinn und der Ärztin war dies selbstverständlich auch die Bürgermeisterin Ioana Trifoi, die uns in ihrem Büro empfing und uns ihre Dankbarkeit für unsere Unterstützung dieses Projekts zum Ausdruck brachte. Ständig an unserer Seite in diesen Tagen war Ioana Dolca, eine ganz herzliche, liebe Person, so wie eigentlich alle Menschen hier im Maramures. Ioana merkt man an, dass sie eine neue, selbstbewusste Generation verkörpert, sie sich vehement gegen die Vernachlässigung durch die Zentralregierung in Bukarest stemmt. In Cluj-Napoca hat sie Wirtschaft und internationale Beziehungen studiert und ist trotz mancher Angebote aus anderen Landesteilen in ihr Heimatdorf zurückgekehrt. Seit zwei Jahren ist sie mit ihrem Jugendfreud Danut Dolca verheiratet und seit einem Jahr arbeiten beide mit großem Fleiß an ihrem großen Traum, ein kleines Häuschen in ihrem geliebten Heimatort Botiza zu errichten. Ioana ist von der Gemeinde angestellt und hat sich als Projektleiterin darauf spezialisiert, vor allem aus den Fördertöpfen der EU Mittel anzuzapfen. So ist es ihr gelungen, für den gesamten Ort die Kanalisation zu planen und bauen zu lassen. Als nächstes Projekt hat sich Ioana die Asphaltierung einer Verbindungsstraße zum Ziel gesetzt, mit deren Hilfe sich die Fahrzeit nach Baia Mare auf die Hälfte reduzieren würde. Auch auf internationaler Ebene ist sie sehr aktiv und hat mit einer Kindergruppe die in der Nähe von Toulouse gelegene Kommune Vabre, mit der Botiiza schon seit längerem in Kontakt steht, besucht. Natürlich war die Durchführung dieses Projekt nur mit Hilfe von Fördermitteln der EU möglich.

Ioana hat uns zusammen mit der Sozialpädagogin Julia Grosan davon überzeugt, wie wichtig es ist, das Projekt „Sozialzentrum“ Botiza zu unterstützen und dort Hilfe zu leisten. „Für das nächste Schuljahr ist dieses Projekt nun gesichert“, verabschiedete sie uns mit großer Freude. Wie es danach ausschaut, wollten wir wissen. Dazu wollte Ioana zunächst keine Meinung abgeben. „Ohne einen Sponsor dürfte das Projekt aber kaum in dieser Form weiterzuführen sein“, bemerkte sie dennoch nach einigem Zögern.

Diese Aussage, die mir und meiner Frau auf unserer Rückreise ständig durch den Kopf ging, stimmte uns nachdenklich. Es müsste doch irgendwie möglich und auch wert sein, im nächsten Schuljahr in Zusammenarbeit mit den Schülern, der SMV und dem Lions Club Haßberge etwas auf die Beine zu stellen, damit sich die Menschen im Maramures, die uns in den Tagen unserer Aufenthalts so ans Herz gewachsen sind, nicht schon wieder allein gelassen fühlen.

 

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