Billig aber Bio? – Vortrag von Dipl.-Landwirt Klaus Merkel beim Lions Club Haßberge

Königsberg. Nahrungsmittelerzeuger, Landschaftspfleger, Energieerzeuger, Naturschützer und Gestalter kulturellen Lebens – all das sind Landwirte. Spannende Einblicke in diesen Berufsstand gab der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes Klaus Merkel beim Lions-Club Haßberge auf Einladung von Präsidentin Sabine Weinbeer.

Die Familie Merkel bewirtschaftet schon in fünfter Generation das Gut Mariaburghausen vor den Toren Haßfurts mit knapp 300 Hektar Fläche. Etwa 100 Hektar habe er zugepachtet, so Merkel, der vor seinem Studium in Weihenstephan nach dem Abitur zunächst eine klassische Landwirtschafts-Lehre absolvierte. Mariaburghausen, das sei heute ein reiner Ackerbaubetrieb mit einer Spezialisierung auf Zuckerrüben und Saatgetreide-Produktion.

Die Landwirtschaft im Spannungsfeld zwischen Selbstwahrnehmung und Anspruch des Verbrauchers sollte das Thema des Abends sein. Die Wahrnehmung von außen habe oft wenig mit der Realität der Landwirtschaft zu tun, musste Klaus Merkel feststellen. Das beginne schon bei der wirtschaftlichen Bedeutung der Landwirtschaft, von der immerhin jeder neunte Arbeitsplatz in Deutschland abhängt, wenn man die vor- und nachgelagerten Bereiche mit betrachtet. Außerdem zeigte er auf, dass 1949 ein Landwirt noch zehn Menschen ernährt hat, heute sind es 145. Gleichzeitig hätten sich die Essgewohnheiten massiv verändert, außer bei Milch, Butter und Käse, und der Anteil an den Konsumausgaben, der für Lebensmittel aufgewendet wird, sinke. So hätten sich viele Landwirte neben der Nahrungsmittelproduktion weitere Betätigungsfelder gesucht und hätten sehr erfolgreich die Energiewende mitgestaltet. „Dass wir heute 25,8 Prozent erneuerbare Energien in den Netzen haben, hätte uns niemand zugetraut“, so Klaus Merkel. Gerade die Landwirtschaft habe sich intensiv eingebracht, aber auch viele Niederlagen gegen die Lobbyarbeit von Mineralölkonzernen und Energieriesen einstecken müssen. So habe er selbst an einem Projekt für Hochleistungs-Öle aus Sonnenblumen mitgewirkt, das aber kurz vor Marktreife „abgewürgt“ wurde. Gleiches drohe jetzt den Biogasanlagen. Diese seien ein idealer Baustein in einem Erneuerbaren Energienetz, weil sie Flauten bei Sonnen- und Windenergie sehr flexibel ausgleichen können, besser und auf jeden Fall umweltfreundlicher als Gas- und vor allem Kohlekraftwerke. „Aber die Erneuerbaren Energien werden derzeit Opfer ihres eigenen Erfolges“, stellte der Diplom-Agraringenieur fest. Dabei sei man jetzt an einem Punkt, wo viele Formen Erneuerbarer Energien auch ohne staatliche Förderung wirtschaftlich aufgestellt werden können.

Neben der Bedeutung der Landwirtschaft für den Kampf gegen den Klimawandel gab Merkel auch einen Einblick in die Entstehung von Weltmarktpreisen für Weizen beispielsweise. Dabei war bemerkenswert, dass Getreide als Nahrungsmittel nur die Hälfte des Preises bringt, wie als Brennstoff. Allerdings würden seit Jahren weltweit Rekordernten erzielt und von einer Konkurrenz zwischen Teller und Tank könne nicht geredet werden.

Immer wieder sehe sich die Landwirtschaft in Erklärungsnot, weil in der Öffentlichkeit verzerrte Darstellungen kursierten, so der Landwirt. Ein Beispiel sei Glyphosat, das von der WHO als unbedenklich angesehen wird. Lediglich eine Unterorganisation „die auch Kaffee und Salami als krebserregend einstuft“ habe dieses Pflanzenschutzmittel in die Diskussion gebracht, „das ein sehr umweltfreundliches Mittel ist. Und wenn es überhaupt in die Nahrungskette gelangt, reichert es sich im Körper nicht an“, erklärte Merkel, der auch Themen wie Massentierhaltung oder Freihandelsabkommen nicht auswich.

Wer Stroh im Schweinestall für besser hält, als Spaltenböden, der müsse aber auch akzeptieren, dass das Stroh in der Regel auch Pilze mit in den Bestand bringe. Ein moderner Schweinestall zeichne sich heute dadurch aus, dass er ohne Antibiotika-Einsatz geführt werden kann „das ist in Freilandhaltung nicht möglich“. Keinesfalls wolle er aber eine Konkurrenz zwischen konventionellen und Bio-Bauern aufbauen, so Merkel. In vielen Bereichen der Landwirtschaft sei Bio sehr sinnvoll, doch wie die konventionellen, müssten auch die Bio-Lebensmittel teurer sein. Weil der Verbraucher das nicht zahlt, erhalten Bio-Bauern die doppelte Förderung gegenüber konventionellen Betrieben. Letztendlich müsse der Verbraucher entscheiden, ob er bereit ist, den Preis für das Weiderind auch zu bezahlen, oder eben seine Ernährung entsprechend umzustellen.

Sowohl für den Bio-Markt wie auch die allgemeine Sicht auf die Landwirtschaft wünschte er sich „eine etwas ideologiefreiere Sicht der Dinge“. Interessiert diskutierten die Clubmitglieder anschließend über verschiedene Themen, etwa über das Thema faire Milch oder Fleischkonsum und Tierschutz. Gerade mit Nicht-Landwirten zu diskutieren sei ihm wichtig, erklärte der BBV-Obmann, denn so habe er auch immer Kontakt zur Verbraucherseite.

 

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