Abordnung des Lions Clubs Haßberge zu Besuch im integrativen Zeltlager des Distrikts BN

Anfang August stattete eine kleine Abordnung des Lions Clubs Haßberge dem integrativen Zeltlagers des Distrikts auf einer Wiese bei Litzendorf nahe Bamberg einen Besuch ab. An diesem schon seit Jahren vom aktuellen 1. Vize-Governor Thomas Drehsen vom Lions Club Bamberg-Michelsberg organisierten Zeltlager nahmen dieses Mal über 70 behinderte und nicht behinderte Kinder und Jugendliche teil. Wie immer lag die Leitung und Durchführung des Zeltlagers in den bewährten Händen der Pfadfinder vom Stamm Faber des Bundes deutscher Pfadfinder. Sehr zu leiden hatte das Zeltlager dieses Jahr allerdings unter den recht miesen und widrigen Witterungsverhältnissen.

Mit dem ehemaligen Kindersoldaten und Leichtathleten Lopez Lomong war im Zeltlager auch hoher Besuch aus den USA zugegen. „Distrikt-Pilot“ Claus Harder vom Lions Club Aschaffenburg Pompejanum, bei dem Lopez Lomong ein paar Tage zu Gast war, hatte ihn mitgenommen und konnte mehr von Lomongs packender Lebensgeschichte erzählen.

Lopez Lomong wurde am 05.01.85 in Kimotong im Südsudan geboren und 1991 als 6- jähriger von Rebellen während des Gottesdienstes in der Dorfkirche entführt, mit dem Vorhaben, ihn zum Kindersoldaten auszubilden. Sehr schnell konnte er mit einem 13 und einem 14 jährigen Leidensgenossen den Entführern entkommen und flüchtete 3 Tage und Nächte in Richtung Süden, wo er von kenianischen Grenzbeamten in ein Flüchtlingslager gebracht wurde. 6 Jahre lang lebte Lopez in diesem größten afrikanischen Flüchtlingslager. 1997 – inzwischen 12 Jahre alt und wegen diverser Infektionen halb erblindet – wurde er von der bayerischen Dominikaner-Schwester, Luise Radlmeier, in ihr katholisches Kinderheim nach Juja in der Nähe von Nairobi gebracht und dort dann 4 Jahre lang „aufgepäppelt“. Die drohende Blindheit konnte sie mit alten Hausmittelchen, wie zum Beispiel Kamillentee abwenden. 2001 fanden Lopez und weitere fünf Jungs mit Hilfe eines amerikanischen Adoptionsprogramms Adoptiveltern aus dem Bundesstaat New York in den USA. Dieses Ehepaar kümmerte sich rührend um alle sechs und ermöglichte ihnen das normale Leben von jungen Menschen. Lopez konnte so seinen High School Abschluss machen um im Anschluss in Arizona ein Studium für Hotelmanagement zu beginnen vor dessen Examen er gerade steht. Während der Schulzeit fand er den Zugang zu der Leichtathletik, begann mit Querfeldein – Läufen und wechselte dann zu den Mittelstrecken 800 m, 1500 m und der klassische Meile. 2007 nahm Lopez Lomong die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Damit konnte er an den nationalen Wettbewerben teilnehmen und schaffte gleich die Qualifikation zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking. Die bisher schönste Erfahrung für Lopez war die Auswahl zum Flaggenträger des US-Teams beim Einmarsch in das Olympiastadion während der Eröffnungsfeier. Bei den Wettkämpfen selbst erreichte er den 12. Platz. 2009 wurde er nationaler Meister über 1500m und belegte den 8. Platz bei den Weltmeisterschaften in Berlin über die gleiche Distanz. 2010 wurde er wieder amerikanischer Meister über 1500m und nahm an europäischen Meetings der Diamond League Serie und des ISTAF Meetings in Berlin teil und wurde zum World Cup in Split in Kroatien eingeladen.
Seit sieben Jahren reist Lopez Lomong immer wieder nach Kenia und in sein altes Heimatdorf Kimotong im Sudan, in welchem er auch seine leiblichen Eltern und Geschwister wiederfinden konnte. Dort setzt er sich auch für den Bau eines Gemeindezentrums ein, welches während der Woche als Schule und am Wochenende als Kirche genutzt werden kann. Es liegt ihm sehr am Herzen, dass Kinder in Afrika eine bessere Zukunft haben. Die Wasserversorgung ist z. B. ein großes Problem. Das SODIS Lions-Projekt könnte hier eine tolle Hilfe sein. Lomongs Engagement und seine Historie unterscheiden ihn von den meisten anderen Athleten. Sein großes sportliches Ziel ist der Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 2012 in London. New Line Cinema, eine der renommiertesten amerikanischen Filmproduktionsfirmen, plant zu Zeit, einen abendfüllenden Kinofilm über das Leben von Lopez Lomong zu drehen. Mit den Einnahmen möchte Lopez weitere Projekte in seiner ehemaligen Heimat vorantreiben. (mehr Informationen zum Film)

 

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