Adelinde Friedrich berichtet dem Lions Club Haßberge über die Arbeit des Jugendamtes

Oft stehen Jugendämter in der Kritik, nur wenige aber kennen die Aufgabenfelder. Um sich hier einen besseren Einblick zu verschaffen, hatten die Mitglieder des Lions Clubs Haßberge die Leiterin des Jugendamts am Landratsamt Haßberge, Adelinde Friedrich, zu einem Vortragsabend eingeladen. Präsident Peter Schleich stellte fest, dass sich der Lions Club mit mehreren Projekten für Kinder, Jugendliche und Familien engagiere, gerne auch in Kooperation mit dem Jugendamt.

„Jugendämter sind die, die Eltern ihre Kinder wegnehmen, oder sie kommen zu spät“, so skizzierte Adelinde Friedrich das Bild des Jugendamts, wie es oft aus der Presse zu entnehmen ist. Dabei seien die Aufgaben des Amtes breit gefächert und eigentlich darauf ausgerichtet, Familien zu helfen, damit dramatische Situationen gar nicht erst entstehen. Wegen der diffizilen Aufgaben ist das Jugendamt in Bayern zweigliedrig aufgeteilt in Verwaltung und den politischen Ausschuss. Im Jugendhilfeausschuss sitzen neben den Vertretern des Kreistages auch die Träger der freien Wohlfahrtspflege, Kreisjugendring und andere Einrichtungen. Gemeinsam bemühen sie sich beispielsweise um die Jugendhilfeplanung, denn es ist Aufgabe des Jugendamtes, für ausreichen Betreuungseinrichtungen wie Kinderkrippen und Kindergärten, Mittagsbetreuung und anderes zu sorgen. Auch einen Bildungsauftrag hat das Jugendamt, so gelte es, Benachteiligungen etwa durch die Jugendsozialarbeit an Schulen abzubauen – ein Feld, das im Landkreis in den letzten Jahren enorm ausgeweitet wurde. Außerdem bietet das Amt Familienberatung an.

Zunehmend gefordert sieht sich Adelinde Friedrich im Bereich Kinder- und Jugendschutz, den das Jugendamt gemeinsam mit der Polizei umsetzt. Der massive Alkoholkonsum nehme enorm zu. Schon eine kleine Stichprobe auf einem der größeren Feste im Landkreis habe im letzten Jahr um 22.30 Uhr sechs Jugendliche mit Werten um die zwei Promille ergeben. Für einen echten Kontrolleinsatz bei einem solchen Fest brauche das Jugendamt aber 30 bis 40 Mann Bereitschaftspolizei erklärte Friedrich, weshalb Razzien nicht an der Tagesordnung seien. Die Kontrollen würden jedoch unvermindert fortgesetzt, denn die Folgen für die Kinder und Jugendlichen sind massiv. So betreue das Jugendamt Haßberge bereits Jugendliche, die durch Alkoholmissbrauch unter Schizophrenie oder neurologischen Ausfällen leiden – Pflegefälle bis an ihr Lebensende. Um das Problem einzudämmen habe das Sozialministerium ein Projekt begonnen, in dem die Krankenhäuser alkoholbedingte Einlieferungen von Minderjährigen ans Amt melden.

Natürlich kümmert sich das Jugendamt auch intensiv um die Drogenprävention, im Landkreis in Kooperation mit der Caritas. Diese hilft auch in Sachen Erziehungsberatung. Die Beratungsstellen bemühen sich, ihre Hilfen möglichst früh in Familien zu bringen, um Eskalationen möglichst zu vermeiden. Dennoch bringt der Landkreis Haßberge jährlich 300 000 Euro für die Unterbringung von Kindern in Tageseinrichtungen auf.

Etwa hundert Familien erhalten ambulante Hilfen im Rahmen der Erziehungsbeistandschaft. Da um diese Hilfe die Familien meist selbst nachfragen, ist hier auch die Erfolgsquote sehr hoch. 160 000 Euro fließen in diesen Bereich. Noch intensiver ist die Sozialpädagogische Familienhilfe. Wenn es gar nicht anders geht, müssen Kinder oder Jugendliche in die Vollzeitpflege gegeben werden – mit massiven Auswirkungen auf den Kreishaushalt, denn eine solche Einrichtung kostet in der Regel mehrere tausend Euro im Monat.

Insgesamt sind im Jugendamt 24 Beschäftigte tätig, sie bewegen einen Etat von 5,2 Millionen Euro.

Auf die Frage von Peter Schleich, wo die Lions mit eingreifen könnten, erklärte Friedrich, dass die Problemlagen leider trotz sinkender Kinderzahlen gleich hoch blieben. Oft seien Mütter krank, eine Kur oder ein Urlaub, ein Zeltlager für die Kinder könnten viel helfen. Auch ein finanzieller Beitrag zum Führerschein könnte dem einen oder anderen Jugendlichen den Weg in die Berufswelt ebnen. Die Lions ermutigten die Jugendamtsleiterin, sich gerne an den Club zu wenden, wenn sie für solche Fälle Unterstützung sucht.

 

-->